Eduard Bendemann (geb. 1811 in Berlin - gest. 1889 in Düsseldorf) war bereits in Berlin Schüler von Wilhelm von Schadow (geb. 1788 in Berlin - gest. 1862 in Düsseldorf) und ging, noch nicht volljährig, mit ihm 1827 an die Königlich-Preußische Kunstakademie Düsseldorf. 1859 folgte Bendemann seinem Lehrer Schadow auf dem Direktorenposten der Akademie.

Bendemann arbeitete seit 1860 in Düsseldorf an dem Monumentalgemälde "Der Tod Abels" für das Naumburger Schwurgericht im Auftrag des Rheinischen Kunstvereins. Als es 1864 aufgehängt wurde, erregte es großes Aufsehen bei der Bevölkerung. Nachdem das Gemälde zuvor bereits in Düsseldorf zur öffentlichen Betrachtung ausgestellt wurde, berichteten wiederholt die Tageszeitungen in Düsseldorf und Naumburg.

Die Düsseldorfer Zeitung schrieb anlässlich der Einweihung: "Die hier zahlreich durchziehenden Touristen strömen in Schaaren in das mit großer Liberalität dem Publikum geöffnete Gebäude."

"Der Tod Abels" stellt ein herausragendes Zeugnis der Düsseldorfer Malerschule dar, weil es sich als wandgestaltendes Monumentalgemälde noch am ursprünglichen Ort befindet. Der Ausstellung "Naumburg und die Düsseldorfer Malerschule" gelingt es, das Gemälde Bendemanns zum ersten Mal im Kontext der Düsseldorfer Malerschule zu präsentieren und gleichzeitig die Bedeutung Naumburgs als preußischen Gerichtsstandort herauszuarbeiten. Das Königlich-Preußische Schwurgericht zu Naumburg war das erste seiner Art im deutschsprachigen Raum. Die Stadt wurde nach dem Wiener Kongress preußisch und bildete einen wichtigen Bezugspunkt zwischen der Hauptstadt Berlin und Düsseldorf als Verwaltungssitz der preußischen Rheinprovinz.

Die Programmatik des Monumentalgemäldes "Der Tod Abels" entspricht der Funktion des Gebäudes. Es stellt das Motiv des ersten Verbrechens der Menschheitsgeschichte in den Mittelpunkt: den Mord Kains an seinem Bruder Abel und das Gerichtsurteil Gottes, das Strafe und Gnade zugleich bedeutet. Ziel war es, "durch ein monumentales Bildwerk auf das Volk, auf alle beim Schwurgericht verkehrenden und verhandelnden Personen, insbesondere die Verbrecher, möglichst belehrend, warnend und rettend einzuwirken" wie es 1866 im Düsseldorfer Anzeiger hieß. Gott als Richter, der das Urteil über Kain fällt, erscheint zentral zwischen einem betenden Engel als Verkörperung der gnadenbringenden Liebe und dem Erzengel Michael mit dem Schwert als Symbol des gerechten Gerichts.


  • Eduard Bendemann, Der Tod Abels (1864), Monumentalgemälde im Königlich-Preußischen Schwurgericht Naumburg / Saale

    Eduard Bendemann, Der Tod Abels (1864)

    Foto: Guido Siebert
  • Die trauernde Eva, Detail aus dem Monumentalgemälde "Der Tod Abels" von Eduard Bendemann

    Die trauernde Eva

    Foto: Guido Siebert
  • Der erschlagene Abel, Detail aus dem Monumentalgemälde "Der Tod Abels" von Eduard Bendemann

    Der erschlagene Abel

    Foto: Guido Siebert
  • Gott als Richter, Detail aus dem Monumentalgemälde "Der Tod Abels" von Eduard Bendemann

    Gott als Richter

    Foto: Guido Siebert
  • Erzengel Michael, Detail aus dem Monumentalgemälde "Der Tod Abels" von Eduard Bendemann

    Erzengel Michael

    Foto: Guido Siebert
  • Der fliehende Kain, Detail aus dem Monumentalgemälde "Der Tod Abels" von Eduard Bendemann

    Der fliehende Kain

    Foto: Guido Siebert

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